Es ist zu kalt und es dauert zu lange.
Neben mir hängt eine Gruppe Jugendlicher ab, deren Verhalten
ich nicht verstehe, mich aber in ihrer Suppe der Identitätslosigkeit
widerspiegle. Die meisten von ihnen sind recht groß gewachsen. So auch ihr
Mundwerk und ihr Hang zu Allüren. Ich merke, wie ich mich nicht ganz
unglücklich darüber schätze, deren Alter längst entkommen zu sein. Nicht, dass
es in diesem neuen Abschnitt nun etwas wie eine feste Identität geben würde,
aber der Drang danach, eine solche zu finden, hat sich leise verflüchtigt und
schläft irgendwo in den Tiefen irgendeiner Ebene meines Ichs, bis er wohl eines
Tages durch eine Grauenhaftigkeit erweckt werden wird, um wie der feurigzornige
Stier im letzten Einhorn an die Oberfläche durchzubrechen.
Oder doch nicht? Wird die verborgene Identität vielleicht
gar nicht von etwas derartigem gefangen gehalten und bedarf es auch keiner
Grauenhaftigkeit? Wäre es nicht auch möglich, dass sie ziemlich in Ordnung ist
und lediglich ein bisschen Einsichtigkeit nötig wäre?
Ich subtrahiere großes Getue und etwas von der ganzen
Aufmache von dem lauten Mädchen und – verstehe sie eigentlich noch immer nicht.
Einzig die Möglichkeit zieht sich in Erwägung, dass alles in Ordnung ist,
während der Zug einrollt und ich ins geheizte Abteil einsteigen kann.
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