Samstag, 2. März 2013
Die Frau im Monbijou
Es ist nun so. Und man sucht die Worte. Ich will nicht
vom kläglichen, weissen Blatt schreiben, sondern einfach die Unvernunft in
meinem Dasein preisgeben. Nun ist es doch so, dass ich der deutschen Sprache
positiv begnadigt bin, und mir tatsächlich die Worte aus den Fingern fallen,
während der Inhalt auf der Strecke bleibt. Die von altem Wüstensand bedeckte
Strecke, welche weder Spuren irgendwelcher Migranten, noch sonst irgendetwas
aufweist. Wieso weiss ich nichts zu erzählen? Warum bin ich von dieser Leere
erfüllt? Schon das tägliche Geschehen wäre lohnenswert, verfasst zu werden.
Denn ist es nicht so, dass ich heute nur willig war, denn Fuss über die
Schwelle zu setzen, wenn ich durch die musikauströmenden Kopfhörer geschützt
war? Doch, doch, so ist es. Ich wollte nicht hören, was die anderen
Gesellschafter zu verkünden haben. Leider schützt Musik vor Sehen nicht. So
musste ich wohl oder übel an der Körpersprache einer mir, wie ich das ungeniert
behaupten möchte, unsympathischen Person, teilhaben. Nachdem die obligate Frage
„tu-ich-auch-so?“ geklärt war – sprich, mit „nein“ beantwortet werden konnte -
, liess ich meinem Beobachtungsdrang freien Lauf. Sie sass im Schaufenster
eines Restaurants und machte schlechte Werbung. Menschen sind so erbärmlich,
wenn sie nicht sich selbst sein können. Was natürlich noch erbärmlicher ist,
wenn sie tatsächlich so sind. Im kleinen Kreise zweier krawattierten
Geschäftsherren schob sie sich kleine Happen in den Mund, sass aufrecht, mit
durchgehängtem Kreuz, auf ihrem Stuhl, in ihrem mintgrünen, schrecklich
unauffallenden Strickpulli, mit ihren Strähnchen im blonden Haar und grinste
ihr künstlichstes Broccoli-Zwischen-Den-Zähnen-Lächeln in die Welt hinaus. Oder
zumindest in das langweilige Gesicht ihres Gegenüber...
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